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Fragen über Fragen und die Zukunft

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    The number of my patients had increased considerably, among them being women representing fourteen different professions, besides men from every walk of life. Most of the women claimed to be emancipated and independent, as indeed they were in the sense that they were earning their own living. But they were paid for it by the suppression of the mainsprings of their natures; fear of public opinion robbed them of love and intimate comradeship. It was pathetic to see how lonely they were, how starved for male affection, and how they craved children. Lacking the courage to tell the world to mind its own business, the emancipation of the women was frequently more of a tragedy than traditional marriage would have been. They had attained a certain amount of independence in order to gain their livelihood, but they had not become independent in spirit or free in their personal lives.

 

Emma Goldman  in “Living my Life” über die Kundinnen ihres Massagesalons den sie um 1906 kurze Zeit betrieben hat (Emma Goldman: Living my Life. Volume One. Chapter 28).

Besonders der letzte Satz treibt mich in letzter Zeit um. Geht es mir nicht ähnlich? Ich habe eine gute Schulbildung und studiere ein technisches Fach, und alle  Vorraussetzungen später mal meinen Lebensunterhalt selber zu bestreiten und unter Umständen sogar ein tolle Karriere zu machen. Warum lässt mich diese Perspektive nicht voller Zuversicht in die Zukunft schauen und in Jubelstürme ausbrechen? Warum finde ich  die “Teilzeitfalle” so verlockend? Und ist die vielleicht am Ende gar keine Falle, sondern eine Chance?

Weil mein Leben mehr ist als Erwerbsarbeit. Mein Leben ist gärtnern, handarbeiten, musizieren, malen, lesen, bloggen, wandern, tanzen, meine Familie, gutes Essen, Videospiele, und vor allem denken. und für alle diese Dinge brauche ich kein dickes Bankkonto, kein Haus und kein Auto. Wozu dann Karriere machen? Wozu einen Großteil meiner Zeit mit Arbeit verbringen, die doch vor allem eins soll, mir das Leben ermöglichen das mich zufrieden* macht?

Um die Erwartungen meiner Umwelt zu erfüllen? Um eine gute Feministin zu sein? Damit es sich für den Staat gelohnt hat mich so teuer auszubilden? Um nicht als “Hausmütterchen” da zu stehen?

Ich denke schon eine Weile darüber nach und finde keine befriedigenden Argumente für einen Vollzeitjob inklusive Karriereleiter mehr. Im Gegenteil ich finde, je länger ich darüber nachdenke immer mehr Gründe für ein Leben in dem Erwerbsarbeit  nur einen sehr kleinen Teil einnimmt. Natürlich will ich  immer noch finanziell unabhängig sein, mehr aber auch nicht.

Ich möchte mein Leben leben und nicht das von jemand anderem. Das klingt alles schrecklich nach Biedermeier irgendwie. Aber vielleicht ist es ja auch grade radikal zu sagen, ihr könnt mich mal, ich mach bei eurem lebenslangen Schwanzvergleich nicht mehr mit.Ob das Freiheit ist? Ich glaube schon.

*Ich schreibe hier absichtlich nicht glücklich, weil zum glücklichsein auch eine Menge Faktoren gehören die ich nicht in der Hand habe.

7 Antworten »

  1. Ich sehe das weniger an Geschlechterlinien entlang, sondern irgendwo anders. Nur wo genau, weiß ich auch nicht. Es gibt jedenfalls auch Männer, die auf diese Vollzeitkarriere keinen Bock haben. Und Frauen die nicht darauf verzichten mögen. Mir sind die meisten Statussymbole auch nicht wichtig (außer Laptop!) oder die Aussicht auf ein eigenes Haus, stattdessen reise ich gern und versuche auch bewußt, nicht zuviel Kram anzusammeln. und lieber meinen Horizont zu erweitern, als Reichtum zu scheffeln.

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  2. Pingback: Mädchenmannschaft » Blog Archive » Ausrastende Schriftsteller, Kinderdiäten und die feministische Vollzeitfrage – die Blogschau

  3. Hi, bin durch die mädchenmannschaft hierher gekommen. Danke für den Artikel, sehr interessant. Meiner Meinung nach ist das kapitalistische Grundsatzproblem, dass davon ausgegangen wird, dass Vollzeit arbeiten das Ideal ist, und man Erfolg daran misst, ob man sich von allen anderen Verpflichtungen frei machen kann, um 40-60 Stunden pro Woche der Wirtschaft in den Rachen zu schaufeln. Teilzeit? Weichei. Hausmütterchen. Pazifist.

    Mein Idealzustand wäre Teilzeit für alle, dann könnte auch an Kinderbetreuung/Hausarbeit etc. anders herangegangen werden.

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  4. Full ack!

    Ich arbeite derzeit Vollzeit und erlebe, wie ich bereit bin, mehr Geld als früher dafür auszugeben, daß ich Dinge nicht selbst machen kann – daß ich z.B. keine Zeit habe, mir selber Essen zu kochen und darum auswärts esse, oder daß ich abgepackten Salat kaufe, weil ich die Zeit fürs Selbst-Zubereiten nicht mehr aufbringe; daß ich im Versand kaufe, weil es knapp wird, bestimmte Läden zu Ladenöffnungszeiten aufzusuchen etc.

    Die New Economics Foundation schlägt vor, daß 21 Stunden Arbeitszeit pro Woche zur Norm in Lohnarbeitsverhältnissen werden sollten. Interessanter Ansatz.

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  5. Das frage ich mich auch seit einiger Zeit, eben unter dem Gesichtspunkt, dass für mich das Wesentliche am Leben das Leben ist (also schreiben, gärtnern, etc) und nicht das Arbeiten. Leider lautet für mich die Antwort: Um, wenn ich mal alt bin und Rente beziehe, nicht arm zu sein. Und um, falls ich vorher (wie schon einmal) in eine Beziehung mit schädlicher Dynamik gerate, die ökonomischen Mittel zu haben, um da wieder rauszukommen.

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  6. Das hat schon auch mit Wahlmöglichkeiten zu tun und Unterstützung die man hat und braucht, wenn man ein Kind hat (so wie ich) und arbeiten gehen möchte/muss. Es kommt auch darauf an, was man aus dem jeweiligen Job dann macht. Frau kann immer mehr oder weniger arbeiten (qualitativ meine ich), das kommt dann glaub ich nicht so sehr auf die Voll/Teilzeitfrage drauf an. Aber ich weiß es auch nicht, ich glaube es ist einfach individuell verschieden. Und dass man beim lebenslangen Schwanzvergleich nicht mitmachen will versteh ich voll und ganz! Aber was ist mit dem lebenslangen Muschivergleich?! ;-)

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  7. Ich finde die Kritik sehr berechtigt, möchte aber folgendes zu bedenken geben: 1. Wenn man Glück hat, ist der Job nicht nur anstrengend und ungut, sondern etwas, das einen fordert und ausfüllt (geht leider vielen nicht so, ich weiß). 2. Ich ärgere mich tatsächlich schon lange darüber, dass kein einziger(!) Mann, den ich kenne, auch nur auf die Idee kommen würde, Teilzeit zu arbeiten, aber fast alle meine Freundinnen in der Familienphase das tun (und dadurch, leider, in einer privaten Beziehung auch finanziell abhängig werden). Wenn Teilzeit arbeiten und trotzdem autonom sein funktioniert, wunderbar (und ich finde die Idee, die Arbeitszeit für alle zu reduzieren, ganz toll). Aber ich denke, ein zu kritisierendes System wird nicht dadurch besser, dass sich ausschließlich Frauen aus dem Berufsleben zurückziehen und in private Abhängigkeiten geraten.

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