Mein Körper und Ich

von zahlenzauberin

Der Fatcast von Lesley von Fatshionista und Marianne von The Rotund hat mich dazu inspiriert endlich auch mal einen Post über meine Körperbilder im laufe meines Lebens zu verfassen.

Bis etwa dreizehn hatte mein Körper und ich nie ein Problem miteinander, ich war nicht grade die Sportlichste, aber ich hatte Eltern die stark von der zweiten Welle des Feminismus beeinflusst waren, und immer versucht haben mir ein positives Körperbild zu vermitteln.
Mit Beginn der Pubertät waren dann nicht mehr meine Eltern die Vorbilder sondern Bravo, Co, und meine vermeintlich cooleren, dünneren Freundinnen. Und dann fingen meine Gedanken an zu rotieren: „Bin ich jetzt zu dick?“ „Ja, guck dir doch mal an was die Waage sagt“. Irgendwie hab ich das nie nach aussen getragen und meine hungernden Freundinnen haben mich immer beneidet dass ich so scheinbar ohne Reue gegessen habe. Mein Ego hat darunter enorm gelitten (grade weil ich es mit meinen technischen Interessen als Mädchen eh schon nicht einfach hatte) trotzdem hab ich in der Zeit nie eine Diät gemacht, irgendwo ganz tief in mir saß doch noch ein bischen Selbstliebe.
Das hat sich leider geändert als ich angefangen habe zu studieren, vom Dorf in die „große“ Stadt, alle die Probleme, die die meisten in der Situation haben und ein Ego von der Größe eines Sandkorns. Plötzlich war sie da die Erste Diät, und mit ihr alles was dazu gehört, ständige Schuldgefühle, Müdigkeit, schlechte Laune, Essen war nur noch sein Nährwert und mein Körper war plötzlich mein Feind. Und das alles obwohl ich intellektuell genau wusste dass, das völliger Unsinn ist und ich die Mechanismen die hinter dem Körperbild unserer Gesellschaft stehen kannte, aber irgendwie traf das auf alle anderen zu bloß auf mich nicht.
Im Rahmen meiner Beschäftigung mit dem Feminismus bin ich dann auf die Fatshionistas gestossen, damit auch auf das Konzept von HAES (Health at every Size). Plötzlich war ich in der Lage diesen unsinnigen Gegensatz in mir selbst zu durchbrechen. Und endlich zu erkennen, du investierst viel zuviel Energie in etwas völlig zweckloses und selbst wenn es gelingen würde, wärst du auch nicht glücklicher mit dir selber. Warum also mich selber quälen und nicht gleich das Leben genießen?
Mein Körper und Ich sind wieder Freunde, ich verstecke ihn nicht mehr und er sieht großartig aus. Ich habe immer noch ab und zu Zweifel ob das Gewicht wirklich so egal ist wie ich es glaube, aber sie sind wesentlich leiser. Und die frei gewordene Energie kann ich in Dinge investieren die mir wichtig sind oder mir einfach nur Spaß machen.