Westerbe

von zahlenzauberin

Ich bin in Westdeutschland in der Provinz aufgewachsen, das hatte paar „liebenswerte“ Eigenheiten zur Folge, war aber bis jetzt nie wichtig, auch in den sechs Jahren die ich jetzt schon in Dresden lebe nicht. Mit dem aufkeimenden Kinderwunsch hat mich meine Sozialisation dann aber wieder hinterrücks überfallen.
Hier in meinem Umfeld in Dresden sind Kinder im Studium zumindest eine Option, schließlich haben es die eigenen Eltern zum Teil auch schon so gemacht. Ich bin aber in dem Glauben aufgewachsen das ein Kind ohne abgeschlossene Ausbildung, Ehe, festen Job und eigenes Haus ein Weltuntergang ist. Das mit der Ehe und dem Haus fand ich jetzt schon immer etwas merkwürdig, aber die abgeschlossene Ausbildung und der feste Job mussten, in meiner Vorstellung, schon sein. Trotzdem habe ich hier in Dresden gesehen das Eltern und Student_in sein ja funktionieren kann, außerdem unser Leben war irgendwie so weit, das Bedürfnis nach durchgemachten Nächten war quasi gleich Null, der Haushalt kein absolutes Chaos mehr und kleine Kinder in der Mensa haben uns beide magisch angezogen. Also habe ich meine Bedenken über Bord geworfen und wir haben das Wagnis auf uns genommen.
Und ich habe gehofft das das nur ein kurzes anklopfen meiner Sozialisation war, und ich ab jetzt wieder meine Ruhe habe, aber weit gefehlt, jetzt geht es erst richtig los. Hier eine kurze Liste der momentanen Highlights:

Kann ich es verantworten das der Vater sich gleichberechtigt um das Kind kümmert?
Du meine Güte, mein Freund ist im Umgang mit mir und unseren Katzen viel mütterlicher als ich es je sein kann. Und irgendwie kann ich mir mich als Vollzeitmutti auch gar nicht vorstellen.

Bin ich eine Rabenmutter wenn ich lieber studiere als mein Kind zu bespaßen?
Ich habe in meiner Kindheit sehr darunter gelitten das meine Mutter nicht arbeiten konnte und sich intellektuell unterfordert fühlte, auch wenn sie versucht hat sich nichts anmerken zu lassen. Lieber eine zufriedene Mutti die auch mal nicht da ist, schließlich hat das Kind ja auch einen Vater.

Fremdbetreuung vor dem Kindergartenalter?
Ist doch eigentlich fein, lernt es auch mal was anderes kennen als uns. Und einen Großteil seiner Zeit verbringt es ja trotzdem bei uns.

Ein Kind in der Stadt, geht das überhaupt?
Ja, zwischen Wiesen und Wäldern aufwachsen ist schön. Aber der Kindsvater erzählt genauso verträumt Kindergeschichten aus der Stadt. Und ein übermäßig großer Teil meiner Landkindheit hat ja auch im Auto statt gefunden, hier kann ich alles wichtige erlaufen.

Und es gibt noch viel mehr davon, und sie kommen immer wieder, und ich weis von meinen Freundinnen aus dem Osten das sie viele davon nicht kennen, Nr 1. und Nr 3. kennen Sie unter Umständen aber die anderen das scheinen reine Westprobleme zu sein.